Isabelle Farmini | Ehrenamtliche Vizepräsidentin des Instituts Farmini

Mich interessiert nicht nur, was im Körper messbar ist, sondern wie er reguliert, ausgleicht und unter Belastung versucht, Stabilität zu bewahren. Viele Beschwerden entstehen nicht zwangsläufig durch eine klar definierbare Erkrankung, sondern können Ausdruck längerfristiger Anpassungs- und Kompensationsprozesse sein.

Mein Zugang verbindet biochemische und biophysikalische Betrachtungen mit einer differenzierten Wahrnehmung von Regulationsprozessen. Ein prägender Teil dieses Weges war das Studium des Operngesangs – eine intensive Schulung von Atem, Nervensystem, innerer Spannung und Resonanz. Diese Erfahrung hat mein Verständnis dafür vertieft, wie sensibel der Körper auf innere und äußere Einflüsse reagieren kann.

Über mehr als vierzehn Jahre durfte ich Menschen in Phasen von Krankheit, Schmerz und Erschöpfung begleiten. Aus diesen Erfahrungen ist eine Haltung entstanden, die den Menschen nicht ausschließlich über Diagnosen oder Einzelbefunde betrachtet, sondern ihn in seiner individuellen Gesamtheit wahrnimmt.

Mein Blick ist auch biografisch geprägt. Ich stamme aus einer Familie mit medizinischem Hintergrund. Bereits meine Urgroßmutter gehörte zu den ersten Frauen in Polen, die Pharmazie studieren durften. Meine Großmutter war als Gynäkologin tätig, mein Großvater als Urologe. Medizinisches Denken, physiologische Zusammenhänge und der respektvolle Umgang mit dem menschlichen Körper waren damit früh Teil meines Umfelds.

Gleichzeitig wurde mir über viele Jahre bewusst, dass klassische medizinische Modelle nicht alle Beschwerdebilder vollständig erklären können – insbesondere bei Menschen mit anhaltenden Schmerzen oder Erschöpfungszuständen ohne eindeutige Befunde. Aus dieser Verbindung von medizinischer Prägung, langjähriger Begleitung und vertiefter Wahrnehmung ist mein heutiger Zugang gewachsen.

 

Heute bin ich Vizepräsidentin des Instituts Farmini. Gemeinsam mit meinem Ehemann Dr. Armando Farmini haben wir das Institut aus der Überzeugung heraus gegründet, einen erweiterten Blick auf Gesundheitspflege zu ermöglichen – einen Ansatz, der eine wissenschaftliche Betrachtung mit einem humanen, regulativen Verständnis verbindet und die Eigenregulation des Körpers respektiert.

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